Rezension "Totensonntag"

von Rocktimes

Geil!!! Kaufen!!! Eigentlich wäre damit von meiner Seite aus schon alles Wichtige gesagt. Alles Nachfolgende dient nur noch der Ergänzung. Renaissance Metal - nachdem Mittelalter Rock mittlerweile doch zumindest in Teilen der audiophilen Bevölkerung zur festen Größe geworden ist, tritt hier eine neue Stilrichtung auf den Plan. Cumulo Nimbus (neulateinisch für Gewitterwolke) aus Landsberg am Lech erfreuen unsere Ohren mit dieser Neuheit. In der Heimatstadt Albrecht Dürers, Nürnberg, wurde das Album im Studio von Peter Pathos aufgenommen, der laut Einschätzung der Band eine Reinkarnation des Renaissance Malers darstellt und wie der selbige ein mindestens zwölfstündiges Arbeitspensum als normal erachtet. Während sich Mittelalter und Renaissance historisch doch ganz gewaltig unterscheiden, liegen Mittelalter Rock und Renaissance Metal nun gar nicht so weit auseinander. Die Band selbst erklärt den Begriff folgendermaßen: »Der Begriff Renaissance-Metal bezeichnet zum einen die Verwendung eines polyphonen Kompositionsstils, der in der europäischen Renaissance wurzelt und damit verbunden auch den Einsatz historischer Instrumente. Zum anderen aber steht er auch für die 'Wiedergeburt' des Heavy Metals der 1980er Jahre, der ein wesentliches Merkmal der Musik von Cumulo Nimbus bildet. Insofern kommt dem Begriff Renaissance-Metal eine doppelte Bedeutung zu. Hinzu kommt unsere Identifikation mit dem in der Renaissance herrschenden Zeitgeist des Aufbruchs.« Wer Gruppen wie Subway to Sally, Rabenschrey, Schandmaul oder In Extremo mag, sollte bei den 'Gewitterwolken' die Lauscher weit aufklappen. Zwar geben hier nicht die Dudelsäcke den Ton an, dafür sind aber mit Schalmei, Flöten und Lauten andere altertümliche Klänge vorhanden. Die Kombination mit den Rockinstrumenten und einem ziemlich metallastigen Sound ergibt eine zumeist fetzige und durchweg gelungene Mischung. Doch fangen wir ganz vorn an, im Intro wird Bach auf eine Zeitreise geschickt, um sein Flair in "Carpe Noctem" weiterzuverbreiten, allerdings in einer Version, die den alten Johann Sebastian wahrscheinlich zu heftigem Kopfnicken und Mitwippen animiert hätte. Flott gemacht ist der Wechsel zwischen Flöten und Gitarren, die das von den Holzbläsern vorgegebene Thema aufgreifen. Mit fetzigen Gitarrenriffs kündigt dann der "Knochenmann" sein Erscheinen an und kritisiert aufs Ironischste die Kirche und ihre Reliqiuenverehrung. Am "Totensonntag" kam die Inspiration vom barocken englischen Komponisten Henry Purcell. "Die alte Mühle" greift das Gedicht "Das zerbrochene Ringlein" (In einem kühlen Grunde, da geht ein Mühlenrad) von Josef von Eichdorff auf, stellt aber auch diesen Klassiker in einen völlig neuen und recht heftigen Kontext. Wo sich Eichendorff über die Untreue der Geliebten beklagt, wird sie von Cumulo Nimbus nackt aufs Mühlrad gespannt, während der Teufel krachend das Schlagwerk spielt und von den Gitarren aufs Feinste unterstützt wird. Etwas Ruhe kehrt dann ein, wenn die "blutroten Segel" gehisst werden und in einer fast schon balladesken Nummer mit keltischen Einflüssen Fernweh aufkommt. Nach kurzer "Irrfahrt" ist es dann aber schon wieder mit der Ruhe vorbei und "Flüssig Gold" rinnt durch die Kehlen und lädt zu einer ausgedehnten Zecherei ein, bei der auch die Kollegen von Rabenschrey ihre Freude hätten. Melancholisch geht es dann in der "Stadt unter Wasser" zu, im Takt des langsamen und gleichmäßigen Schlagzeugs sieht man die Schritte des Lebensmüden förmlich vor sich. Die Streicher und die Frauenstimmen rufen ihn, die Flöten locken, zurückhaltend begleiten die Gitarren seinen Weg ins Wasser. "Erbarmen" zeigt gnadenlos die ganze Bandbreite der 'Gewitterwolken', akustisch und zart geht es los, steigert sich dann im Verlauf des Songs immer weiter, um schließlich den beschriebenen Sturm in heftigen Böen von E-Gitarren und Schlagzeug lostoben zu lassen. Zu guter Letzt wird mit "Aderlass" noch mal losgefetzt, mit abgehackten Gesang und sägenden Gitarren wird der Zuhörer in die folgende Stille verabschiedet. Zur Ader gelassen wird der geneigte Käufer von Cumulo Nimbus erfreulicherweise nicht, dem Album liegt ein Programm des kleinen aber feinen Label Black Bards bei, die mit fairen Preisen von 11,99 Euro pro Album und kostenlosen Dreingaben bei größeren Bestellungen locken. Dies geht aber nicht zu Lasten der Ausstattung, denn der CD im Jewelcase liegt ein aufwendig gestaltetes Booklet mit allen Liedtexten bei. Hab ich das schon gesagt? Geil!!! Kaufen!!! Ende!!!

Sabine Feickert