Rezension "Stunde der Wahrheit"

von amboss-mag

Der Zweitwerk der MA-Metaller (hinzu kommen noch zwei Demos) aus Landsberg überzeugt mich wesentlich mehr als ihr Debüt. Man hat einiges mehr ins Songwriting gelegt, was die unterschiedlichen Einleitungen, verwegene Tempiwechsel und die Verschmelzung von hymnischen Melodien mit radikalen Chaos beweisen. Unterlegt von straighten Saiten schleichen sich harmonische Geigen, Fluten oder Blockflöten in die Szenerie. Die Band versteht es, verschiedenste Stilmittel in die Songs fließen zu lassen. So beginnt das balladeske "Mitternacht" als traurige, akustische Darbietung, lässt sich doomig hart verführen und endet in einem Intermezzo der Dunkelheit. Klarer strukturiert sind die tanzflächenkapernden und nackenbrecherischen Stücke wie "Feuerteufel" oder "Wilder Reigen". Dazwischen immer wieder Einsprengsel folkloristischer Elemente. Musikalisch könnte man von einer Kollaboration von Subway und Schandmaul sprechen, allerdings geht diese Band wesentlich abwechslungsreicher zu Werke und zudem trägt der Gesang zu einem gehöriges Maß an Eigenständigkeit bei. Evtl. liegt es daran, dass bestimmte Konsonanten extrem akzentuiert verdeutlicht werden und wohl auch in der Form wie die Härte der deutschen Sprache stimmbandlich zum Ausdruck gebracht wird. Das Album macht bei jedem Durchgang mehr Spaß, auch wenn man ab und an rein den dunklen Klängen frönt, wie in "Moor", insgesamt verbreitet man eine angenehme Frische und verfängt sich nicht in die Aufwärmung alten Liedguts (Ausnahme: Englischer Tanz). Was sich die Band allerdings beim Abschlusssong "Vogelfrey" gedacht hat, weiß ich nun wirklich nicht, reichlich poppig aufgemacht erinnert mich das an die Münchener Freiheit. Aber eigentlich ist diese CD zu gut um diesen Fauxpas überhaupt zu erwähnen. In obriger Klammer lest ihr das Wort "Eigenproduktion", angesichts der professionellen Produktion und wundervollen Aufmachung (bezieht sich sowohl auf Booklet, wie auf das herrliche Digipack) dürften die meisten Labelveröffentlichungen vor Scham erröten. Ein kleiner Hinweis: Passend zum Titel wird dem Hörer/Seher weißgemacht, dass die Spielzeit genau eine Stunde beträgt, dem ist nicht so (auch nicht wenn man das Ticken incl. Gongschlag nach der Ruhe zum Schluß mitrechnet). Antwort der Band hierzu: by the way: Die Spielzeit der CD ist tatsächlich incl. Geticke nur 59min58sec, das liegt daran, dass die meisten CD-Player vor dem Abspielen der CD 2 Sec Pause einfügen und diese in ihre Zeitrechnung mit einrechnen. Also sollte ein deutscher Durchschnitts CD-Player beim Einlegen der CD 13 Songs (die 13., nicht existierende Stunde ist eben die Stunde der Wahrheit, wie auf dem Cover zu sehen...) und 60Minuten anzeigen. :) ..alles wohldurchdacht..

andreas