Rezension "Nachtwache"

von amboss-mag

Vor zehn und vor 500 Jahren wäre man begeistert gewesen, heute muß man sich mit einer Masse an Bands messen. Wie sagte mir kürzlich ein dem Mittelalter-Rock nicht Wohlgesonnener: Einfach altes Liedgut genommen, harte Gitarren drunter gelegt und einen lateinischen Namen genommen. Tja, wahrscheinlich ist es so einfach. Ein Genre, in dem es nie eine negative Kritik gibt, tut sein Übriges. Mir ist dieser ganze Hype egal, auch kleine Bands müssen es schaffen, innovativ in die Gehörgänge zu dringen. Die Melodien von Cumulus Nimbus (Amboss-Wolke), welche neben harschen Gitarren eine folkige Attitüde beherbergen, besitzen zwar enorm viel Potenzial, erklingen aber im Ohr als zu oft gehört. So besitzt "Flammentanz" trotz seiner energischen Darbietung zuviel Schandmaul. "Wirtshaus" ist mir zu prollig. "Mondsucht" geht zu verschwenderisch mit den Heavy Saiten um, besitzt aber eine schöne Hookline. Mit "Mondsuchtpolka" befindet man sich mitten auf einer russischen Hochzeit, kurz nach dem die letzte Flasche Wodka geleert wurde. Mit "Nachtlied" hat man am Schluss noch ein Höhepunkt zu liefern, dessen getragene Atmosphäre und liebliche Violine tief ins Mark gehen. Es würde der Band besser zu Gesicht stehen, die Sauflieder auszutauschen mit der harmonischen Schwermut der Pest, denn in den sphärischen Momenten beweist die Band ihre Stärken, während die heftigen Strukturen ein wenig unter dem eintönigen Riffing leiden. Info:

andreas