Rezension "Stunde der Wahrheit"

von Musik an sich

Ich weiß nicht, ob Cumulo Nimbus, wie viele andere Bands, verzweifelt versuchen, die Welt davon zu überzeugen, dass sie etwas völlig Eigenständiges sind. Ich meine aber man tut ihnen keine Gewalt an, wenn man sie als kleinen Bruder von Subway to Sally bezeichnet. Die Nähen sind eindeutig. Gitarrensound, Phrasierung des Gesanges, Flöten und Violinen. Aber dann sind da auch einige Unterschiede. Rein äußerlich benutzen Cumulo Nimbus erst einmal nicht das gewaltige Sammelsurium historischer Instrumente, das bei Subway einfach dazu gehört. Zudem greifen die Potsdamer bei allen Überschneidungen im Durchschnitt wesentlich härter in die Saiten. Kann man bei ihnen von Mittelalter-Metal sprechen, dürfte bei Cumulo Nimbus Mittelalter-Hard Rock die passende Kategorie sein. Zum Ende der Scheibe geht es dann auch in den Pop hinein. „Blumenmeer“ gerät dabei arg kitschig. Auch im Blick auf die Texte gibt es Unterschiede. Zwar werden auch Cumulo Nimbus gelegentlich blutig und makaber („In Muro“) oder beschäftigen sich in „Feuerteufel“ mit dem im Mittelalter scheinbar üblichen Freizeitvergnügen des Verbrennens von missliebigen Menschen. Aber ebenso wie in der Musik sind Cumulo auch in den Texten etwas sanfter. Und während Subway oft auch eigene Positionen und Fragen zu Glaubens- und anderen Themen formulieren, lassen es Cumolo beim Lebendigwerden einer durch ihre zeitliche Ferne exotischen Welt. Cumulo Nimbus trumpfen auf, wenn sie Gas geben, reißen gleich mit dem ersten passend „Komm mit“ betitelten Stück mit, können aber auch in ruhigeren Momenten begeistern. Der häufige Wechsel zwischen einer männlichen (Mathias Mandiolin) und einer weiblichen Stimme (Carolynne) bringt Abwechslung und Leben. Wer die Möglichkeit hat, in das Album hinein zu hören, findet am Anfang die heftigeren Highlights („Komm mit“, „Tyrann“, „Feuerteufel“). Aber auch das ruhig mit akustischer Gitarre beginnende sehr Subway-mäßige „Moor“ ist mehr als überzeugend. „In Muro“ setzt dem blutigen Text eine nette Reigenmelodie als Kontrast entgegen. Im Mittelpunkt stehen Blockflöten und hard rockende Gitarren. Phantastisch ist auch das abschließende „Vogelfrey“. Gesang und Melodieführung erinnern ein wenig an späte Hoelderlin. Dazu kommen harte Subway-Gitarren und ein sehr kreativer Text. Toller Abschluss. Die drei Minuten Tickerei danach (als hidden Track) hätte man sich besser gespart. Ach ja, und wieder einmal glänzt eine Band ohne Plattenvertrag mit einem schicken doppelt aufklappbaren Digi-Pack plus Booklet mit allen Texten.

Norbert von Fransecky