Rezension "Schattenjäger"

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Cumulo Nimbus: Schattenjäger Mittelalter oder Renaissance – eigentlich ist das egal Cumulo Nimbus: Schattenjäger Bewertung: 8.5 von 10 Punkten Release: 03.11.2011 Genre: Mittelalter Rock Spielzeit: 42:48 Label: Eigenproduktion Tracklist 1. Neumond 2. Traumjäger (Tipp) 3. Tor Im Eis 4. Letzter Akt (Tipp) 5. Sternzeichen 6. Figura Obscura (Tipp) 7. Schattenkind 8. Leiermann 9. Gemma (Tipp) 10. Pastyme „Schattenjäger“ – einen interessanten Namen hat die Platte der Mittelalterrocker von Cumulo Nimbus schon mal erhalten. Das Album ist der Nachfolger zum 2009 erschienenen Longplayer „Totensonntag“, das vielfach hoch gelobt wurde. Nun gilt es herauszufinden, ob das aktuelle Werk mit dem Vorgänger konkurrieren kann. Was dem Hörer als Erstes auffallen wird, ist der wirklich glasklare Sound der Aufzeichnung. Die Singstimme und die Instrumente klingen extrem klar und scharfkantig – wunderbar. Jede Note, praktisch jeder Griff und fast schon jeder Hauch kann geortet werden. So saubere Aufnahmen sind selten und das hat einen Grund: Der Druck fehlt dann nämlich ein wenig. Im Falle „Schattenjäger“ hält sich dieser Schaden aber sehr in Grenzen. Lediglich die Bassdrum und die Bassgitarre hätten etwas mehr Schub vertragen, der Rest ist völlig in Ordnung. Besonders gut ausgefallen ist der Gesang von Frontfrau Binia, die gleichzeitig rockt und jede Menge Gefühl mit ihrer Stimme vermittelt. Etwas muss man sich vielleicht im ersten Moment schon an dieses klare, direkte Singorgan gewöhnen. Binia singt aber sehr sauber, treffsicher und kontinuierlich gut, was nicht immer Standard ist. Davon, dass dies auch live so ist, konnte sich der Autor dieser Zeilen selbst schon überzeugen. Die Lieder sind sehr abwechslungsreich, sie reichen von eher schleppenden Passagen wie in „Gemma“ und „Schattenkind“ bis hin zu beschwingten und schnellen Nummern wie „Pastyme“ und „Letzter Akt“. Dabei lassen Cumulo Nimbus praktisch keine Gelegenheit aus, ihrer Musik immer wieder neue Facetten anzuschleifen. Ausgeprägte Arrangements der Flöte gibt es genauso wie E-Gitarren-Soli. Die gespielten Stile sind nicht einfach nur vermischt, es verhält sich vielmehr wie bei einem Marmorkuchen. Alle Instrumente befinden sich in der gleichen Form und sind miteinander verwoben. Wenn man aber einen Querschnitt macht, dann kann man jeden Part ganz genau zuordnen. Daraus ergibt sich die Tatsache, dass man automatisch immer wieder ganz genau hinhört, um noch unentdeckte Fragmente zu entdecken. Davon gibt es zu Hauf und man kann sich auf diese Art und Weise richtig lange mit dem Album beschäftigen. Die Texte, fast ausschließlich auf deutsch gehalten, beschäftigen sich mit allerhand fantasievollen Themen, die kunstvoll in Strophen verpackt wurden. Die Erzählkunst des Texters darf man als durchaus ausgeprägt bezeichnen. „Letzter Akt“ und „Figura Obscura“ sind lyrische Glücksmomente. Kritik kann man, selbst nach langem Suchen, nicht wirklich viel üben. Wenn man ganz spitzfindig sein will, dann könnte man marginal an der Abmischung rummotzen – wenn man aber bedenkt, mit welch beschissener Produktion manche Metalplatte daherkommt, dann wäre das einfach nur extrem unfair. Als Fazit kann man sagen: Cumulo Nimbus haben ihre Sache sehr gut gemacht. Das Album ist interessant, abwechslungsreich und ohne Scheuklappen verfasst worden. Das sind die Eckpunkte der Kunst. Interessant ist die Scheibe natürlich für alle Freunde des Mittelalter Metal, des Mittelalter Rock und auch der Folk Musik. Wer also Formationen wie In Extremo, Schandmaul, Subway To Sally oder Saltatio Mortis (mit denen Cumulo Nimbus schon unterwegs waren) etwas abgewinnen kann, der ist hier vollkommen richtig und kann praktisch blind zuschlagen. 16.03.2012 08:00 | Alter: 50Minuten Thomas Seitz

Thomas Seitz